Reisefreuden – gestrandet in Island

Jetzt sind wir seit Dienstag endlich in Deutschland. Und die Reise hierher lief alles andere als glatt.

Die Autofahrt nach Washington, DC war schon recht langwierig, weil die I95 mal wieder voll war und die Rt. 1 auch. Also sind wir dann durch’s Hinterland, wo man nicht sonderlich schnell fahren konnte, aber wenigstens einen schoenen Ausblick und freie Fahrt hatte.

In Washington am Flughafen haben wir dann schon gewusst, dass unser Flieger eine Stunde Verspaetung hatte. Er haette 7.25pm losfliegen sollen und der Mensch am Schalter bereitete uns auf 8.35pm vor. Naja, was soll’s. Eine Stunde bekommt man schon rum. Tatsaechlich sassen wir dann erst um 9.00pm im Flieger und was am nervigsten war, war die Tatsache, dass es am Gate keinerlei Auskuenfte waehrend der ganzen Zeit gab. Am Schalter war niemand aufzufinden, auf den Anzeigetafeln stand nicht mal die Verspaetung angeschlagen und man fragte sich die ganze Zeit, was hier eigentlich los ist.

Kurz nach 9.00pm ging es endlich in den Flieger. Um 9.14pm fiel dann der Generator fuer die Kabine 4 mal hintereinander aus. Es knallte kurz, Licht ging aus und auch die Luft wurde nicht  mehr gekuehlt. Nach einigen erneuten erfolglosen Versuchen den Generator zu starten, meldete sich der Kapitaen und liess uns wissen, dass der Generatur entschieden hat, nicht mehr zu arbeiten. Aber alles sei super, das Reparaturteam sei unterwegs und auch eine manuelle Kuehlung fuer die Kabine.

Um 11.06pm, es wurde immer noch repariert und in der Kabine war es extrem warm und stickig, fiel dann der erste Passagier um und es musste ein  Notarzt geholt werden. Nach einiger Zeit wurde der Herr von Board gebracht und der Kapitaen teilte mit, dass nur noch sein Gepaeck ausgeladen wuerde und dann ginge es los nach Reykjavik. Nach weiteren 45 Minuten war wohl das Gepaeck endlich gefunden und es ging los … aber nicht nach Reykjavik sondern in die Warteschleife, wo wir dann endlich gegen 0.30am nach Island starten konnten.

In Reykjavik angekommen, waren wir ueber 3 Stunden verspaetet und saemtliche Anschlussflieger waren weg. Also standen wir mit mehreren Hundert Personen am Service Desk an und harrten der Dinge. Nachdem wir dann endlich nur noch 6 Leute vor uns hatten, kam jemand an den Desk und teilte uns mit, dass wir bitte zum Service Desk 2 gehen sollten, weil da alle Unterlagen vom Washingtonflug fertig seien und nur noch auf uns wareten. Ich war da schon megagenervt… aber man konnte ja nicht viel tun, als sich nun an einem anderem Schalter anzustellen, wo wieder mindestens 80 Leute vor uns standen. Nach ueber zwei Stunden in irgendwelchen Warteschlangen kamen wir endlich dran und der Mensch auf der anderen Seite des Tisches, liess uns wissen, dass alle Flieger nach DE weg seien und wir in Reykjavik uebernachten muessten. Wir bekamen einen Gutschein fuer den Bus und fuer ein Hotel … keine Entschuldigung, nichts.

Also schnappten wir unser Gepaeck und liefen zum Bus, wo man uns sagte, dass der letzte Bus weg sei und erst wieder einer in ueber 2 Stunden faehrt. Wir sollten uns ‚einfach’ einen Gutschein fuer ein Taxi holen. Also wieder zu einem Schalter, anstehen und zum naechsten Schalter geschickt werden. Am naechsten Schalter meinte die Mitarbeiterin eiskalt, sie gibt uns kein Taxigutschein, wir muessten eben warten. An dem Punkt hatte ich dann langsam die Schnauze voll von diesem Saftladen und bin zum Taxistand und wollte das Taxi selbst bezahlen bis der Fahrer meinte, die Fahrt waere fast eine Stunde und ich sollte mir wirklich lieber einen Gutschein holen. OK, da war ich dann auf 180 und stellte mich wieder an, um der Tante von IcelandAir die Hoelle heiss zu machen. Zwischenzeitlich kam noch jemand von dem Flug auf mich zu und sagte mir, ich muesse auf den Taxigutschein bestehen, sie waeren verpflichtet ein Taxi zu zahlen – mann, warum bin ich immer so gutmuetig??? –  am Schalter angekommen, stand da schon wieder ein riesige Schlange mit Leuten, die alle dasselbe wollten wie ich, einen Sch…Taxischein.

Eine Stunde spaeter bekam ich dann endlich den Schein. Am Taxistand natuerlich auch wieder eine Schlange – 45 Minuten warten auf ein Taxi. Der Taxifahrer muss seinen Job wirklich geliebt haben, denn er sprach keine einziges Wort waehrend der einstuendigen Fahrt. Die Kroenung war dann als er in Reykjavik in den Gegenverkehr links abbog und die Autos mit quietschenden Reifen ca. 1,5 Meter vor meiner Autotuer zum Stehen kamen. Er murmelte ein ‚sorry’ und fuhr weiter.

Das Hotel war „Midgardur“, direkt in Reykjavik. Ich kannte die Umgebung ziemlich genau, weil wir dort in der Naehe vor 2 Jahren schon mal ein Hotel hatten. Das Midgardur war schon ziemlich toll! Wir haetten von der Airline eigentlich 3 Zimmer haben koennen, aber ich hab mich dann entschieden, dass ein Zimmer fuer uns drei vollkommen ausreicht. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, entschieden wir uns was essen zu gehen. Vom Hotel hatten wir Gutscheine fuer diverse Restaurants bekommen und wir entschieden uns fuer das hauseigene „Jörgensen“. Laut den reviews ist das eins der 5 besten Restaurants in Reykjavik. Kaum sassen wir, kam auch schon jemand, der uns mitteilte, dass wir zwar nicht aus der Karte aussuchen koennten, was wir wollten aber man hatte fuer alle ‚Gestrandeten’ ein 3-Gaenge-Menue bereit. Erst gab es eine leckere Moehrencremesuppe, dann gebratenen Lachs auf Pestolinguine und zum Nachtisch Skyr mit frischen Beeren. Es war wirklich sehr sehr gut … und um ca. 15.00 Uhr die erste Mahlzeit des Tages fuer uns.

Mit vollem Bauch ging es dann erstmal in die Stadt. Wir kannten uns ja zum Glueck ziemlich gut aus und bummelten erstmal durch ein paar Geschaefte und erstanden ein paar Postkarten. Dann ging es weiter zum Wasser und der Harpa, wo wir dann am Strand sassen und den Schiffen und Wolken zuschauten bis uns fast die Augen zufielen. Der Heimweg gestaltete sich wegen des jetlegs ziemlich zaeh und kaum im Hotel angekommen, fielen wir nach einer kurzen Dusche auch schon in unsere Betten.

Irgendwann daemmerte es mir dann, warum es nicht daemmerte … um diese Jahreszeit ist es in Island rund um die Uhr hell und es war ziemlich bizarr alle 2 Stunden aufzuwachen und den Himmel immer noch hell vorzufinden. Nach der hellen Nacht waren wir relativ froh, um 3.50 Uhr wieder aufstehen zu koennen und unsere sieben Sachen fuer den Flug nach Deutschland zu packen. Um 4.45 ging es dann wieder Richtung Flughafen – diesmal mit einem supernetten und sehr unterhaltsamen Taxifahrer, der eigentlich Portugiese war, in den 90igern in Leipzig und Russland gewohnt hatte und nun mit seiner islaendischen Frau in Reykjavik Taxi faehrt. Ich war fast traurig als wir am Flughafen ankamen und uns verabschieden mussten.

Kaum im Flughafen angekommen, sahen wir auch schon, dass unser Flug eine Stunde Verspaetung hat… es war echt wie verhext. Nach der extra Stunde Wartezeit ging es aber dann sofort los und wir kamen gut in Frankfurt an. Dort mussten wir aber erstmal zum Baecker und die obligatorische Leberkaessemmel kaufen. Danach weiter zum ICE, der rammelvoll war – aber kein Problem da mit 2 Kindern und 3 Koffern, 2 Handgepaecken und 2 Rucksaecken reinzukommen. Die Deutschen sind da ja nicht so: man draengelt sich an Dir vorbei und dann hast Du alle Zeit der Welt, in Ruhe dein Zeug reinzutragen.

Am Hauptbahnhof mussten wir gleich wieder raus und zum Glueck gab es da ein paar nette junge Herrn mit Migrationshintergrund, die uns anboten, die Koffer rauszutragen. In dem Moment war mir sowieso schon vollkommen Wurscht, was die mit den Koffern machen, nach 2 Tagen mit den 20kg-Dingern am Bein haette ich sie am liebsten in den naechsten Strassengraben getreten. J Die netten Jungs meinten dann allerdings sie haetten wirklich keinen Gebrauch fuer Frauenklamotten und wegrennen mit den schweren Koffern sei auch nicht drin…. also trugen sie uns die Schwergewichte aufs Gleis und ich war heilfroh, dass ich nicht alles allein machen musste. Der naechste Zug war auch wieder proppevoll und wir mussten die vermalledeiten Koffer durch 3 Abteile zerren, bis wir endlich einen Sitzplatz gefunden hatten. Ich war echt pitschenass geschwitzt und wollte nur noch irgendwo sitzen und meine Leberkaessemmel runterschlingen – und das konnte ich dann endlich auch machen. Halleluja!

Mit gerade mal 15 Minuten Verspaetung kamen wir dann auch endlich nach der Weltreise in Goettingen an. Nach der euphorischen Begruessung von meiner Mutter und meinen Bruder galt es nur noch eine halbe Stunde im Auto zu sitzen und so zu tun als ob man der Unterhaltung folgen kann. Ich war allerdings schon so muede, dass ich nur noch mit ‚ja’, ‚nein’ und ‚mh’ antworten konnte.

Wer eine Reise tut, der kann was erzaehlen!

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8 Gedanken zu „Reisefreuden – gestrandet in Island

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